Aber es war doch nur ein Tier

Heimliche Trauer um einen tierischen Seelengefährten

 

 

Aufgewachsen mit Tieren an meiner Seite wurde ich schon sehr früh mit dem Thema Tod konfrontiert und ich musste als kleines Kind erfahren, dass meine besten Freunde nicht für immer bei mir blieben. Die Tatsache, dass sie von heute auf morgen nicht mehr da waren, konnte ich einfach nicht begreifen und ich litt sehr darunter.

 

Auch in den letzten Jahren war der Tod mein stetiger Begleiter. Ich habe Menschen und Tiere verloren, die ich liebte und ich musste leider feststellen, dass ich von vielen meiner Mitmenschen - je nachdem, um wen ich trauerte - anders behandelt wurde.  Es machte einen Unterschied, ob ich um einen Menschen oder um ein Tier trauerte, insbesondere für diejenigen, die selbst kein Tier hatten. 

 

Mit dem Tod meines Katers Yoda im letzten Jahr habe ich meinen Seelengefährten verloren und es war, als hätte man mir mein Herz herausgerissen. Diesen Schmerz kann ich nicht in Worte fassen. In dieser Zeit spürte ich ganz besonders, wie schwer es war, von seinen Mitmenschen in seiner Trauer um ein Tier wahrgenommen zu werden.

 

In meinem engen Umfeld waren zum Glück viele Menschen, die wussten, was sein Tod für mich bedeutete, die zu mir standen und mir Kraft gaben. Aber ich begegnete auch einigen Menschen, die mir mit ihren Worten einen Schlag versetzten und mich immer wieder zu Boden warfen. 

Die Aussage, dass die Trauer um ein Tier nicht so wichtig zu nehmen sei, wie die Trauer um einen Menschen, traf mich sehr.

 

Meist beginnen die Verletzungen von anderen Menschen bereits dann, wenn man spürt, dass die gemeinsame Reise mit seinem Seelengefährten bald vorbei ist. Als wir unsere Fernreise kurzfristig abgesagt hatten, weil wir nun wussten, dass Yoda schwer krank war, musste ich mir die Frage gefallen lassen, ob uns die Erholung nicht wichtiger sei als er. Auch sei die Reise viel teurer als eine Katze und das ganze Geld nun zu verlieren, sei er doch nicht wert. Diese Worte saßen tief wie ein Stachel und machten mich traurig und wütend zugleich. Wie konnte man so über mein Herz sprechen, meinen Seelenkater, der alles für mich war und den ich für kein Geld der Welt aufgeben würde. Der mich sah, wie ich bin, mich bedingungslos liebte, mein größter Lehrer und immer für mich da war. Konnten diese Menschen sich nicht vorstellen, dass ich mich gar nicht erholen konnte, wenn er Zuhause womöglich ohne mich starb und ich nicht bei ihm sein konnte?

 

Die Ratschläge von Freunden und meine sonstige Einstellung, dass ich solche Aussagen nicht beachten sollte, weil ich meine eigene Wahrheit kannte, halfen mir in diesen Momenten nicht weiter. Weil ich vor Kummer schwach war und diese Worte sich tief in mein Herz bohrten und mich sehr verletzten. Fassungslos darüber, dass sich Menschen, die mich kaum kannten, das Recht herausnahmen, so unbedacht und respektlos über uns zu sprechen.

 

Bereits am nächsten Tag nach seinem Tod fragte man mich mehrfach, wann ich mir denn eine neue Katze anschaffen würde. Mit Sicherheit war diese Frage nicht böse gemeint, aber was sie für mich und jeden anderen Menschen bedeutet, der sein geliebtes Tier verloren hat, können sich einige Menschen offensichtlich nicht vorstellen. Es gibt für eine Seele keinen Ersatz. So wie wir einen Menschen nicht ersetzen können, so können wir auch kein Tier durch ein neues Tier ersetzen. Es braucht Zeit, den Verlust zu verarbeiten und sein Herz für eine neue Seele zu öffnen und es hat etwas mit Respekt zu tun, diese Frage nicht zu stellen. Jemandem, der einen geliebten Menschen verloren hat, stellt man sie schließlich auch nicht.

 

Dann ist da noch die Aussage »Aber es war doch nur ein Tier«. Einer der schlimmsten Sätze, die man als Tierfreund regelmäßig zu hören bekommt.

 

Leider wissen viele nicht, was sie mit ihren unbedachten Äußerungen anrichten. Wenn Menschen, die um ein Tier trauern in ihrem Umfeld nicht ernst genommen oder sogar belächelt werden, führt dies dazu, dass sie sich für ihre Trauer schämen und nicht mehr über ihren Verlust sprechen. Ihr Leben wird sehr einsam.

 

 

Sie ziehen sich zurück und klammern sich an Erinnerungen.

 

Allein.

 

Sie weinen sich in den Schlaf und wachen unter Tränen wieder auf.

 

Allein.

 

 

Sie trauern über Jahre und leben mit dem Schmerz.

 

Allein.

 

Ihre Mitmenschen denken, sie hätten ihren Gefährten längst vergessen. Aber so ist es nicht.

 

Sie trauern heimlich und das ist unheimlich traurig.

 

 

Meine Hoffnung ist, dass jeder Mensch, der um sein Tier trauert, zumindest einige Menschen an seiner Seite hat, die Verständnis zeigen und in dieser schweren Zeit für ihn da sind.

 

Ich wünsche mir aber, dass es mehr Menschen gibt, die ihr Herz für uns Tierfreunde öffnen. Auch wenn sie selbst nicht diese tiefe Liebe für ein Tier empfinden können, so möchten sie doch unsere Liebe für unser Tier und die Trauer respektieren und achten.

 

Es wäre hilfreich, die genannten oder ähnliche Fragen nicht zu stellen und abwertende, achtlose Aussagen lieber für sich zu behalten. Für diejenigen, die sie aussprechen, sind es belanglose Sätze, die sie im nächsten Moment wieder vergessen. Für uns ist aber jeder einzelne von ihnen ein Satz, der schmerzt und den wir in Erinnerung behalten.

 

Denn wir haben jemanden verloren, den wir lieben.

 

 

Wenn das Herz liebt,

dann liebt es die Seele

und die kann menschlich

oder tierisch sein.

Und wenn diese Seele geht,

dann weint das Herz,

das bleibt.

Ignoranz,

verletzende Worte

und Unverständnis

heilen das traurige Herz nicht.

Sondern Liebe,

Trost

und Mitgefühl

anderer Herzen.

 

 

© Annika Paßmann

www.seelenblicke.com

 

 

 

Dieser Beitrag ist Teil der Aktion von Silke Szymura

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